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Schuldenkrise frisst sich weiter: Frankreich wankt – in Europa tickt eine neue Zeitbombe - weiter lesen auf FOCUS Online: Schuldenkrise frisst sich weiter: Frankreich wanktFrankreich gerät zunehmend in den Strudel der Schuldenkrise. Die Haushalts- und Wirtschaftsdaten sind katastrophal. Nun hat das Land auch bei der Ratingagentur Moody’s die Bestnote verloren. Die Nervosität in Europas Hauptstädten steigt.
[...] Jahrelang fiel Frankreichs Absturz innerhalb der Euro-Zone kaum auf, weil die Länder im Süden die Debatte beherrschten. Doch das ändert sich jetzt: Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat der Grande Nation die Bonitäts-Bestnote AAA bereits aberkannt. Am Dienstag zog Moody´s nach. „Die Zeitbombe im Herzen Europas“ betitelte die Wirtschaftszeitschrift „The Economist“ vergangene Woche eine große Analyse über die Lage in Frankreich.
Das gefährliche daran ist: Frankreich hat nicht nur ein Finanzproblem, sondern auch ein Wirtschaftsproblem. Viele der großen Konzerne haben in den vergangenen Jahren dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Konzerne wie der Autobauer PSA Peugeot Citroën kündigen massiven Stellenabbau an, die Arbeitslosenquote steigt seit 17 Monaten und liegt mittlerweile jenseits der Zehn-Prozent-Marke, die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei fast 23 Prozent. Die Stimmung der Unternehmen ist so schlecht wie seit Jahren nicht. „Das größte Problem in Europa ist nicht mehr Griechenland, Spanien oder Italien, es ist Frankreich, weil Frankreich im Hinblick auf die Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit nichts unternommen hat und sogar in die Gegenrichtung geht“, erklärt der Wirtschaftsweise Lars Feld. Die Rückkehr zur Rente mit 60 für früh ins Berufsleben gestartete Franzosen sei ein Beispiel dafür.
Der Reformbedarf in Frankreich ist groß:[...]
Denn nichts Endliches, nicht die ganze Welt kann eine Menschenseele befriedigen, in der das Bedürfnis nach dem Ewigen sich regt.
Sören Kierkegaard- Philosophische Schriften
Logisch. Von den eigentlichen, systemischen Ursachen Schuldgeldsystem und Zinseszinsproblem einmal abgesehen: Eine Währung muss zur Produktivität der Wirtschaft passen. Für Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien ist der Euro sowieso zu hart, aber auch für Frankreich. Für Deutschland ist er zu weich, was dazu führt, dass es exportiert wie blöd, also Sachwerte gegen "bunte Zettel", in der Realität noch nicht einmal das, sondern nur Zahlen im Computer, tauscht.
Was bringen die Exportüberschüsse? Prof. Hans-Werner Sinn 16.01.2012- die Bananenrepublik - YouTube (Sinn mag ich eigentlich nicht, da er sehr marktradikal ist, aber gerade deshalb finde ich umso erstaunlicher, dass er sagt, dass Exporte kein Selbstzweck sind, sondern Ex- und Importe sich die Waage halten müssen, dass er dem Geld nicht mehr traut und praktisch einen Tausch Ware gegen Ware fordert.)
Das Agenda-2010-Lohndumping verstärkt diesen Effekt noch, lässt Länder, die noch gute Löhne haben, wie sie Deutschland auch einmal hatte, nicht mehr "konkurrenzfähig" sein. Damit Deutschland die Waren noch absetzen kann, damit sie noch jemand bezahlen kann, muss es verhindern, dass andere pleite gehen oder aus dem Euro aussteigen. Denn sonst ständen hier auf einen Schlag viele Menschen auf der Straße (statt wie jetzt in Griechenland, Spanien, Portugal und auch Frankreich).
Einen Ausweg innerhalb des bestehenden Währungssystems sehe ich nicht.
Und was wäre, wenn nun alle so "wettbewerbsfähig" wären, wie Deutschland? Wer sollte das ganze Zeug konsumieren? Die Arbeitsproduktivität ist in Folge des technischen Fortschritts heute so hoch, dass nicht mehr für alle bis 65 - und nun gar bis 67 - für 40 Stunden in der Woche genug Arbeit da ist, so wie wir ja heute auch nicht mehr so lange arbeiten wie vor 100 Jahren. Da müsste angesetzt werden. Ansonsten spielen wir weiter - und jetzt europaweit - "Reise nach Jerusalem" um lukrative Arbeitsplätze.
Geändert von Zeder (23.11.2012 um 20:42 Uhr)
Das Tollste erscheint mir die Wirklichkeitsverweigerung der französischen Regierung zu sein, die erwartungsgemäß alle ihre Schwierigkeiten der Vorgängerregierung in die Schuhe schiebt und gar nicht bemerkt, wie unzulänglich und kontraproduktiv sie sich selber in wirtschaftlicher Hinsicht verhält.
Wie soll diese Regierung auch Probleme lösen, die sie offensichtlich nicht mal zu erkennen vermag.
Und die UMP als jetzige Haupt-Oppositionspartei ist ja durch die Querelen bei der Besetzung des Spitzenjobs ebenfalls seit Wochen lahmgelegt.
Der EURO war keine gute Idee. Die Wirtschafts-"Philosophien" und die volkswirtschaftliche Praxis in den beteilgten Ländern ist für eine gemeinsame Währung viel zu gegenläufig.
I ♥ Pope emeritus
Benedict XVI
Dann mach doch mal.Da müsste angesetzt werden.
Erstmal willkommen, freu mich immer über Menschen die sich Gedanken machen.
Nur leicht ist es zu sagen "man müsste, man sollte" etc. und wie die französische Regierung von ihr nicht erkannte Probleme lösen sollte bzw. nicht kann.
Mich würde es wirklich freuen, mal konkret Lösungsvorschläge zu hören, hab einen lesenwerten Zeit Artikel im thread "Europa quo vadis" verlinkt.
Über Politiker herziehen, alles besser wissen und Stammtischparolen wie DIE Griechen, DIE Italiener abe WIR Deutschen kenne ich zu genüge.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht ergibt sich doch noch die ein oder andere konstruktive Diskussion.
LG
Fabian
Was haben wir als einfache Bürger denn für Möglichkeiten, da etwas zu verändern, ohne unser eigentliches Leben aufzugeben und Politiker zu werden? Auch wenn eine vernünftiger Mensch in diese Richtung gehen (also die des Politikers) würde und die Probleme mal auf eine unkonventionelle Art angehen würde (Vorschläge dafür gibt es ja von allen Seiten), dann bezweifle ich, dass Dieser große Chancen auf einen Aufstieg hätte.
Wenn man hingegen viele kleine Schritte gehen möchte, bräuchte man für eine wirksame Veränderung mehr als nur die wenigen ohnehin schon engagierten Bürger. Die "unpolitische" Bevölkerung zu mobilisieren halte ich ehrlich gesagt für nahezu unmöglich.
Ich will damit nicht sagen, dass all das Engagement sinnlos ist, aber für die Änderungen, die nötig wären, um die jetztige Krise zu lösen, reicht es einfach nicht.
Diese Frage habe ich mir als junger Mensch auch gestellt und mich zunächst in den Ortsvereinen von FDP (damals noch linksliberal) und SPD engagiert. Hatte von meiner Erfahrung dort ja schon berichtet, dass man durchaus Thesen ausarbeiten darf von denen dann Andere profitieren.Was haben wir als einfache Bürger denn für Möglichkeiten, da etwas zu verändern, ohne unser eigentliches Leben aufzugeben und Politiker zu werden? Auch wenn eine vernünftiger Mensch in diese Richtung gehen (also die des Politikers) würde und die Probleme mal auf eine unkonventionelle Art angehen würde (Vorschläge dafür gibt es ja von allen Seiten), dann bezweifle ich, dass Dieser große Chancen auf einen Aufstieg hätte.
Wenn man hingegen viele kleine Schritte gehen möchte, bräuchte man für eine wirksame Veränderung mehr als nur die wenigen ohnehin schon engagierten Bürger. Die "unpolitische" Bevölkerung zu mobilisieren halte ich ehrlich gesagt für nahezu unmöglich.
Ich will damit nicht sagen, dass all das Engagement sinnlos ist, aber für die Änderungen, die nötig wären, um die jetztige Krise zu lösen, reicht es einfach nicht.
Als logische Konsequenz habe ich mich dann hingesetzt und selbst ein Manuskript verfasst. Darin rege ich im letzten Kapitel zur Gründung einer länderübergreifenden Bürgerbewegung auf die mehr demokratisches Mitspracherecht fordert und dazu konkrete Vorschläge macht in welcher Form dies zu erreichen wäre (nach finden eines Konsens innerhalb dieser Bewegung – mein Vorschlag wäre sicher nur einer unter vielen).
Bereits zu TSF (Tagesschauforum) Zeiten habe ich eine mehrsprachige IPF( Internationale Plattform) im Netz initiiert, die leider, nach mehrjährigen Diskussionen durch (links)ideologische Infiltration zerstört wurde.
Ich denke lieber froschquiz, dass Dein Pessimismus bedingt gerechtfertigt ist, es wäre ja schon ein wunderbarer Fortschritt den Großteil der engagierten Europäer zu mobilisieren (unter den Studenten der 68er Generation war das ja der Fall) da gibt es ja Beispiele, dass der bedauerliche Tod Einzelner (Benno Ohnesorg, Tunesien), ja doch einiges bewirken kann.
Ich, als unverbesserlicher Idealist (nicht Ideologie) hoffe halt immer noch darauf, dass immer mehr Menschen, noch in friedlichen Zeiten die Gefahr erkennen die Europa wieder droht, bevor es zu Gewaltexzessen kommt. Vor etwa 20 Jahren, zu Zeiten des TSF fand die Vision eines demokratisch legitimierten geeinten Europas bei der Bevölkerung noch engagierteren Zuspruch,GOTT bewahre uns, dass heute wieder Feindbilder zwischen den Nationen aufgebaut werden.
LG
Fabian
Geändert von Fabian (24.11.2012 um 15:24 Uhr)
Z. B. Rentenalter senken, Wochenarbeitszeit verkürzen, Einkommensunterschiede verringern, z. B. durch einen Mindestlohn (vielleicht wird ja jetzt die Diskussion lebhafter), so dass niemand, der Vollzeit arbeitet, mehr seinen Lebensunterhalt zum Teil von staatlichen Zahlungen bestreiten muss. Letzteres führt zu realistischeren Preisen, mehr Inlandsnachfrage und mehr Wettbewerbsfähigkeit anderer Euroländer. Das Auslagern der Arbeitslosigkeit in diese Länder nützt auch Deutschland auf Dauer nichts, weil dann auch keine deutschen Waren mehr gekauft werden.
Aber zum "besser wissen" ist ein Politikforum doch da, es sei denn, hier sind nur Zustimmung zur herrschenden Politik und Bekenntnisse dazu, dass der eingeschlagene Kurs alternativlos ist, erwünscht und die wenigsten hier werden wohl Politiker sein. Wenn mein Beitrag im Sinne von "am deutschen Wesen muss die Welt genesen" rüberkommt, habe ich mich aber sehr missverständlich ausgedrückt. Ich wollte gerade klarmachen, dass es strukturelle Probleme sind.Erstmal willkommen, freu mich immer über Menschen die sich Gedanken machen.
Nur leicht ist es zu sagen "man müsste, man sollte" etc. und wie die französische Regierung von ihr nicht erkannte Probleme lösen sollte bzw. nicht kann.
Mich würde es wirklich freuen, mal konkret Lösungsvorschläge zu hören, hab einen lesenwerten Zeit Artikel im thread "Europa quo vadis" verlinkt.
Über Politiker herziehen, alles besser wissen und Stammtischparolen wie DIE Griechen, DIE Italiener abe WIR Deutschen kenne ich zu genüge.
Geändert von Zeder (25.11.2012 um 16:29 Uhr)
Das Renteneintrittsalter in Frankreich ist 60 Jahre, eine Erhöhung auf 62 war geplant, scheint aber nicht durchzukommen, die 35-Stundenwoche ist in Frankreich fast schon die "heilige Kuh" der Gewerkschaften und der Mindestlohn beträgt 9,22 Euro pro Stunde. Den Franzosen geht es glänzend, und weil es ihnen so glänzend geht muss ihnen ja keiner mehr Geld leihen und da ist es ja völlig egal, dass die Risikoeinschätzung der Finanzanalysten völlig entgegen dem offenkundig allgemein ausgebrochenen Wohlstands stehen. Das Rezept muss heißen: noch weniger arbeiten für noch mehr Geld schafft noch mehr Wohlstand.
Das kann durchaus zutreffen. Für Deutschland z. B. trifft es zu. Es kommt auf das richtige Maß an. Frankreich hat es im Gegensatz zu Deutschland genau richtig gemacht, es hat im Gegensatz zu Deutschland das vereinbarte Inflationsziel von zwei Prozent erreicht.
Wege aus der Euro-Krise - Prof. Dr. H. Flassbeck - YouTube (Der ganze Vortrag ist auch sehr zu empfehlen, wenn man sich für das Thema interessiert und über die "die sollen mal richtig arbeiten"-Polemik hinauskommen will.)
Die Franzosen müssen sich - wie alle anderen auch - Geld leihen, weil sämtliches im Umlauf befindliches Geld geliehen, also durch Kredite geschaffen ist.
Bitte glaube mir, dass ich das nicht so empfand, noch ein Mal, ich denke Du bist eine Bereicherung für dieses Forum und ich hoffe auf viele interesante Diskussionen. Erklärst Du uns noch wer und wieviele Anhänger sich hinter der Unierten traditionalistischen Religionsgemeinschaft verbergen?
Ich lebe in Frankreich und habe, trotz der allgemein spürbaren Unzufriedenheit, nicht den Eindruck, dass Frankreich kurz vor dem Kollaps steht. Als Beispiel dient mir das Vertrauen meiner Mitbürger in die französischen Banken, trotz aller Negativschlagzeilen.
Anders in den USA (dort lebte ich 7 Jahre). Unser Nachbar hat sein Haus Hals über Kopf verlassen, nachdem er die Kreditzinsen nicht mehr bedienen konnte, sich unter dem Namen seiner Frau woanders ein Haus gekauft (habe ich hinterher erfahren) und sogar das Bäumchen mitgenommen, das von der Wohnungsbaugesellschaft gepflanzt wurde. Das Haus wurde der Bank überlassen die es dann an ein farbiges Ehepaar verkaufte. Prompt hatten alle Nachbarn Angst, dass dadurch eine Wertminderung einträte. Das war in Texas.
@ Kohlhaas
Ich denke Deine Aussage
ist sarkastisch gemeint.noch weniger arbeiten für noch mehr Geld schafft noch mehr Wohlstand.
Ich halte dem entgegen, dass die jungen Spanier, Franzose, Deutsche, Griechen bref Europäer gerne auch wieder 40 Stunden die Woche, aber in gesicherten und nicht prekären Anstellungen arbeiten wollen.
Zeder hat richtigerweise die strukturellen Probleme angesprochen, die aber bitte in den von mir eröffneten thread oder einen euch genehmen weiter diskutieren, da diese nicht Frankreich spezifisch sind.
LG
Fabian
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