Rede von Metropolit Kyrill vor dem UN Menschenrechtsrat
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am 28.01.2009 um 14:38 (338 Hits)
Die Ansprache von Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad
Vorsitzender der Gremiums des Moskauer Patriarchates für auswärtige Kirchenbeziehungen
bei der Paneldiskussion zu Menschenrechten und internationalem Dialog bei der siebten Sitzung des UN Menschenrechtsrates
Übersetzung aus dem Englischen
Herr Moderator, Damen und Herren!
Vielen Dank für die Gelegenheit bei einem solch repräsentativen Forum von professionell sich mit Menschenrechten beschäftigenden Persönlichkeiten sprechen zu können.
Der Menschenrechtsrat ist eine junge Einrichtung innerhalb des Systems der Vereinten Nationen. Dennoch hat er eine lange Erfahrung bei der Reflexion und im Agieren durch dieser auf dem Gebiet der Menschenrechte dominierenden Organisation hinter sich. Der Rat verfügt über beträchtliche Ressourcen zur Einbindung neuer Partner in die Diskussion innerhalb seines Bezugssystems und ich hoffe, daß religiöse Organisationen einen angemessenen Platz dabei einnehmen werden.
Die Menschenrechte stellen mit Sicherheit eine wichtige Einrichtung in der modernen Sozialordnung dar. Ihre Anziehungskraft liegt in der einfachen und populären Idee, die Sorge für das Wohlergehen jedes Einzelnen in dem Mittelpunkt des sozialen Lebens zu stellen. Es war diese Idee, die der christliche Glaube in die europäische Kultur einbrachte. Er hatte immer verkündet, daß Erlösung für jeden Einzelnen möglich ist ungeachtet seines oder ihres ethnischen oder sozialen Hintergrunds und er betonte die einzigartige Natur und den Wert jedes Einzelnen in der von Gott geschaffenen Welt.
Deshalb können Christen gegenüber dem weiteren Schicksal dieser wichtigen Botschaft an die Menschheit nicht gleichgültig sein, auch wenn sie in der säkularen Sprache der Menschenrechte abgefaßt ist. Daß diese Institution dem Wohlergehen eines jeden Einzelnen und der Gesellschaft als Gesamtheit weiterhin dient, ist wichtig.
Viele Orthodoxe Christen sind aber überzeugt, daß es in der heutigen Entwicklung und Umsetzung der Menschenrechte wachsende Tendenzen gibt, die den Fortschritt auf dieses erhabene Ziel hin bedrohen.
Zuallererst war die Entwicklung der Menschenrechtsinstitutionen zunehmend in monopolistischer Weise von einer beschränkten Sicht auf die Natur des Menschen beeinflußt worden, die von den meisten Menschen in der Welt nicht geteilt werden. Internationale Organisationen, die sich mit Menschenrechten befassen, tendieren in den meisten Fällen dazu, ihre Folgerungen aus den Meinungen eines kleinen Kreises von Experten, von Funktionären oder von lärmenden, aber gut organisierten Minderheiten zu ziehen. Viele Nationen scheinen ebenfalls unter den Einfluß dieser Zeitgenossen gefallen zu sein, wodurch sie die Fähigkeit einbüßen, über ihre authentische Haltung zu den Werten zu sprechen, die eigentlich charakteristisch für diese Nationen sind.
Charakteristischerweise fehlt für den gebräuchlichsten Begriff in Bezug auf die Menschenrechte, namentlich der Menschenwürde, ein klares gemeinsames Verständnis. Sie wird als ein bestimmtes Axiom verwendet, aber ihr Inhalt war lange ungeklärt. Die Auffassung darüber liefert den Schlüssel für unser Verständnis des menschlichen Wesens und damit der Menschenrechte.
Für Orthodoxe Christen ist es klar, daß menschliche Würde unvorstellbar ist, ohne eine religiös-spirituelle und ethische Dimension. Zur gleichen Zeit wurden, um das Konzept der Menschenrechte für Leute unterschiedlicher Weltsichten annehmbar zu machen, beständig Versuche unternommen, sie von Religion zu trennen. Im Ergebnis davon erklärt man religiöse Sichtweisen zur Privatsache und bestreitet deren Gültigkeit als Quelle für moderne Gesetze einschließlich der Menschenrechte. Und das trotz der Tatsache, daß laut weit verbreiteter Erhebungen fast 80 Prozent der Weltbevölkerung religiöse Leute sind.
Ganz im Gegensatz dazu wurden Forderungen gestellt, religiöse Sichtweisen rechtlichen Normen zu unterwerfen, die in nicht-religiösen Ideen gründen. Als Ergebnis davon tendiert die Dominanz agnostischer und sogar materialistischer Lebenseinstellungen religiöse Riten, Symbole und Ideen aus der öffentlichen Sphäre zu verdrängen. Sogar das beliebte christliche Weihnachtsfest hat in vielen westlichen Ländern seinen Namen verloren. An seiner Stelle senden die Staatsgewalten jahreszeitliche Grüße jetzt aus. Auch wurde der Ansatz der Menschenrechte dazu benutzt, um Frevel gegen und die Entstellung religiöser Symbole und Lehren zu rechtfertigen. Der selbe Ansatz wird heute verwendet, um Schulen gewisse Lehrpläne zur Einführung in verschiedene Religionen aufzuerlegen, statt daß man die Grundlagen der Lehre einer Religion vermittelt.
Kurz gesagt, hat der säkulare Ansatz hat Leute dazu gezwungen vom Ausdruck ihres Glaubens im öffentlichen Leben Abstand zu nehmen. Dies führt zur Errichtung einer nicht-religiösen Gesellschaft, was von keinem echten Gläubigen unterstützt werden kann.
Darüber hinaus gibt es einen starken Einfluß radikal-feministischer Sichtweisen und homosexuellen Haltungen beim Formulieren von Regeln, Empfehlungen und Programmen bei den Menschenrechtsverfechtern, die für die Familie als Institution und die Reproduktion der Bevölkerung zerstörerisch sind. Wir können nicht festlegen, welcher Lebensweg von einzelnen Leuten gewählt werden soll, aber warum sollten deren Sichtweisen denn auf dem Weg über Rechtssysteme anderen Menschen, die diese nicht teilen, aufgezwungen werden? Kürzlich wurde berichtet, daß in Großbritannien eine Katholische Vermittlungsstelle für Adoptionen verboten, weil sie sich weigerte, homosexuelle Paare als Elternschaftskandidaten in Betracht zu ziehen.
Was wir nicht akzeptieren können, sind juristische Ansätze in Bezug auf die Rolle von Mann und Frau, die Beziehungen zwischen Mann und Frau und Eltern und Kindern und den Status homosexueller Lebensgemeinschaften, die ohne Berücksichtigung der Meinung der Gläubigen entwickelt wurden.
Die Sicht auf die Abtreibung als ein Recht der Frauen hat internationale Organisationen dazu verführt, taub und blind zu werden für das Recht des empfangenen Kindes auf Leben. Diejenigen, die mit menschlichen Embryonen experimentieren, wollen nicht mal mehr von der Verletzung der Ethik hören. Noch erstaunlicher sind Vorschläge, das Recht auf Euthanasie in die Menschenrechtsvorschriften aufzunehmen. Die Menschenrechte, die doch mit dem fundamentalen Recht auf Leben beginnen, könnten sich bald auf die Seite des Todes schlagen.
Weiter in Teil 2

















