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Rede von Metropolit Kyrill vor dem UN Menschenrechtsrat (Teil 2)

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Veröffentlicht: 28.01.2009 um 16:29 von Haiduk
Aktualisiert: 11.02.2009 um 09:40 von Haiduk

Fortsetzung von Teil 1

Andererseits gibt es ernste Bedenken hinsichtlich des Weges der Umsetzung der Menschenrechte. Eines der Probleme in diesem Bereich hat mit der Interpretation des Begriffes der Freiheit zu tun. Die Menschenrechte enthalten in ihrem Packet gewisse Opportunitäten die ein Individuum nach seinem oder ihrem Gutdünken nutzen kann. In anderen Worten, sie schützen lediglich die Freiheit zur Wahl, sagen dabei aber nichts über die Verantwortung einer Person. Im Ergebnis bleibt die Freiheit vom Bösen ungeschützt. Was ist diese Freiheit vom Bösen? Aus unserer Sicht wird das in der Sprache moralischer Normen beschrieben. In seiner Ansprache letztes Jahr zur parlamentarischen Versammlung des Europarates schlug Patriarch Alexij II. ein Verständnis von Moral als positive Freiheit vor, indem er sagte: "Moral ist Freiheit in Aktion. Sie ist eine in einer verantwortlichen Auswahl bereits umgesetzte Freiheit, die sich zum Wohle des Individuums und der Gesellschaft als Ganzem selbst beschränkt".

Ich würde Sie gerne daran erinnern, daß die UN Richtlinien unter anderem auf der Grundannahme von 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte einer beschränkten Auswahl, um "den gerechten Anforderungen der Moral zu genügen" basieren. Leider läßt die Europäische Grundrechte-Charta diese Beschränkungsklausel weg.

In vielen Ländern wird die Freiheit als Vorwand zur Entwicklung einer Industrie verwendet, welche die Gesellschaft mit der Propaganda eines amoralischen Lebensstils überschüttet. Wir glauben ein Individuum muß das Recht haben, vor dem Propagieren von Gewalt, Drogen- und Alkoholgebrauch, Spielsucht und sexueller Laxheit geschützt zu werden.

Aus unserer Sicht sollten die Menschenrechte den moralischen Normen, die von den meisten Leuten als erstrebenswertes Verhalten akzeptierten werden, nicht entgegenlaufen. Werden die Menschenrechte zur Bestärkung eines moralischen Relativismus in der Gesellschaft verwendet, dann entfremdet sie das von den Gläubigen.

Die Umsetzung der Menschenrechte geht einher mit der Frage der Identität eines Rechtssystems der Menschenrechte in sehr verschiedenen Ländern. Die Menschenrechte haben wahrlich universale Bestimmung. Aber verschiedene Länder können sie unter Berücksichtigung kulturell unverwechselbarer Merkmale eines bestimmten Volkes umsetzen. In manchen Ländern ist die Bevölkerung mehr religiös, als in anderen und deshalb kann und muß Religion eine bedeutendere Rolle in der Ausprägung und Umsetzung der Menschenrechte spielen. Weiterhin hat jede Nation ihre eigenen geschichtliche Erfahrungen, kulturelle Traditionen und ihr eigenes Bedeutungssystem. Diese Realitäten sollten bei Aufbau eines nationalen Menschenrechtssystems nicht ignoriert werden. In diesem Zusammenhang legen manche Länder, die ihr eigenes System der Umsetzung der Menschenrechte als universal betrachten, ein ziemlich undemokratisches Verhalten an den Tag. Sie versuchen direkt oder indirekt, ihre eigenen Standards der Umsetzung der Menschenrechte anderen Ländern aufzunötigen oder der einzige Richter in Menschenrechtsfragen zu werden. Ich glaube ein die "Lehrer-Schüler" Situation ausschließender Dialog ist in diesem Fall der einzig annehmbare Weg.



Und schließlich tut es mir leid, auf den Schaden hinweisen zu müssen, den die Praxis von Doppelstandards dem Ansehen dem Werk der Menschenrechts zufügt. Die Menschenrechte wurden schon oft von manchen Ländern als Werkzeug zur Verfolgung ihrer nationalen Interessen benutzt. Besonders offensichtlich ist das in den Konfliktzonen dieser Welt. Das jüngste Beispiel ist die Situation in Kosovo und Metochien. Solche Fälle haben die Tendenz, die Situation in der Welt aufzuheizen und Vorurteile gegenüber den Menschenrechten zu sähen.



In der Zusammenfassung all dessen möchte ich gerne dieses sagen. Es wird viel über einen Konflikt der Zivilisationen und Kulturen, doch womit wir es eigentlich zu tun haben, ist ein Konflikt der Ansätze, der eine basiert auf einer religiösen Weltsicht während der andere auf einer nicht-religiösen Weltsicht basiert. Aus irgendeinem Grund gibt es die fest etablierte Meinung, mit dem nicht-religiösen und moralisch neutralen Ansatz ließen sich alle menschlichen Hoffnungen am umfassendsten ausdrücken und die vielerlei in der Welt existierenden Widersprüchlichkeiten ausbügeln. Es wurde aber schon oft vergessen, daß es die religiöse und moralische Dimension des menschlichen Lebens ist, die universal ist und zugeleich spezifisch bei allen Nationen. Der religiöse Ansatz weist, wie ich zu zeigen versucht habe, der sozialen Rolle von Religion eine große Wichtigkeit zu und befürwortet die Bewahrung eines einzigen Moralsystems in der Gesellschaft. Diese Grundannahmen sollten sowohl bei der Entwicklung internationaler Gesetze, einschließlich von Gesetzen zu den Menschenrechten, wie auch bei nationalen Gesetzgebung berücksichtigt werden. Andernfalls kann sich die Entfremdung und die Opposition eines beträchtlichen Teils der Menschheit gegenüber globalen Prozessen nur vergrößern. Ein friedlicher Weg aus dieser Situation heraus liegt im Führen eines intensiven Dialogs.

Die Russische Orthodoxe Kirche entwickelt dieser Tage einen umfassenden Ansatz zu den Rechten des Menschen. Die Annahme eines entsprechenden Dokuments durch das Bischofskonzil als höchster Kirchenauthorität ist für diesen Sommer geplant. Durch unsere Erfahrung im zwischen-christlichen und interreligösen Dialog wissen wir, daß andere christliche Konfessionen und Weltreligionen gut ausgearbeitete Ansätze zu den Menschenrechten haben. Es wäre angemessen, diesen Sichtweisen im Menschenrechtsrat und der UN als ganzem Gehör zu verschaffen.

Im Jahre 2006 fand in Moskau ein Gipfel von Führern der Weltreligionen statt. Ungeachtet der bestehenden Unterschiede ergaben die Diskussionen bei diesem Forum, daß die Religionsführer die wichtige Rolle, die Religion in den Gesellschaften spielt, anerkennen und es kam zum Ausdruck, daß die großen Weltreligionen grundsätzliche moralische Normen teilen. Meiner Sicht nach ist das die Basis, die zu einem Dockpunkt zwischen den verschiedenen Zivilisationen unserer heutigen Welt werden kann.

Die Teilnehmer des Gipfels schlugen vor ein Forum für den Dialog zwischen den Religionen durch die UN eingerichtet werden sollte. Dieser Appell wurde an die Führer der G8 gerichtet. Russland hat diese Idee bekanntermaßen unterstützt. Sein Außenminister 
hat in seiner Rede bei der 62. Vollersammlung der UN vorgeschlagen ein Beratungsgremium der Religionen mit festgelegtem Status innerhalb der Vereinten Nationen einzurichten. Meine Hoffnung ist, andere betroffene Nationen könnten diese sinnvolle Initiative der Religionsführer ebenfalls unterstützten. Wir würden dem Menschenrechtsdialog auf globaler Ebene einen neuen Anstoß geben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Genf, 18. März 2008
Kategorie: Kategorielos
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