Dies ist die Diskussion Das Volk ein Trost. Deutsche & Juden 1933 - 1945 im Urteil jüdischer Zeitzeuge im Politische Literatur Forum, als Teil der Politik Kategorie. "Tweet Zitat von Haiduk "Entmenschlichung eines ganzen Volkes". Das ist mal wieder Unsinn. Mit Entmenschlichung eines Volkes meine ich die ..."
Mit Entmenschlichung eines Volkes meine ich die moralische Tatsache, dass der nazistische Rassenwahn allen jüdischen Menschen abgesprochen hat, Menschen zu sein. Die systematische Vernichtung von Menschen in dafür vorgesehenen Vernichtungslagern, spricht diesen Menschen ganz offensichtlich ab, Menschen zu sein, denen elementare Menschenrechte zukommen. Als Lehre hieraus spricht das GG in Artikel 1 allen Menschen in einem moralischen Setzungsakt eine unantastbare und unveräußerliche Würde zu:
Ich bewundere die Väter des GG dafür, diese allgemein gesetzte moralische Verpflichtung in ihre Verfassung aufgenommen zu haben.GG
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
Hier hast du mich wohl falsch verstanden. Ich meine das im obigen Sinne, also als de facto-Entmenschlichung der jüdischen Menschen durch die nationalsozialistische Rassenideologie.
Auch die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 sind und bleiben im kollektiven Gedächtnis der Menschheit in besonderer Weise verankert. In Hiroshima wird dieser Massenvernichtung jedes Jahr gedacht. An jedem 6. August um 08:16 Uhr Ortszeit ertönt in Hiroshima eine Sirene und alle Menschen bleiben für eine Minute schweigend stehen und Gedenken der Opfer des Abwurfs in tiefer Trauer.
Trotzdem waren die Abwürfe der A-Bomben etwas anderes als die Shoah. Die Bomben wurden nicht geworfen, weil die US-Amerikaner die rassistische Vernichtungideologie vertraten, alle Japaner müssten ausgerottet werden. Das ist unabhängig von der Frage, ob die Abwürfe moralisch gerechtfertigt waren.
Nein. Deshalb habe ich oben ja explizit gefragt, ob du die stalinistischen Verbrechen durch deine Vergleiche aufwerten willst oder die Shoah in ihrer moralischen Bedeutung abwerten. Du hast bislang nicht klar auf diese Frage geantwortet, aber was du schreibst erweckt den Einndruck, dass du die Shoah abwerten möchtest. Ersteres verstünde ich, letzteres halte ich weiterhin für höchst problematisch.
Geändert von Thaddäus (17.11.2012 um 18:53 Uhr)
"Das Universum sollte einfach sein, - aber das ist es nicht".
"Ihr stellt nicht infrage, was ihr glaubt. Aber ich muss das tun." (Die Philosophin Hypatia).
Der eigentliche Grund für meine "Widerspenstigkeit" liegt in der Absicht, mir (und allen anderen Menschen) mit der Bezugnahme auf die Judenvernichtung eine Verantwortung aufzubürden, die ich nicht tragen kann. Man kann eine Verantwortung nur dann auf sich nehmen, wenn man auch ein hinreichendes Mandat zur Mitwirkung erhält. Wenn uns als Deutschen wegen der historischen Judenvernichtung eine besondere Verantwortung für den Staat Israel oder die in Deutschland lebenden Juden zugesprochen wird, dann müßten wir auch ein entsprechendes Mitspracherecht bekommen. Ein solches Mitspracherecht können wir aber nicht bekommen, weil es einer Entmündigung des Staates Israel und der in Deutschland lebenden Juden gleich käme (siehe Vormundschaft). Umso umfassender eine Verantwortung ist, desto größer muß auch das Recht zur Mitwirkung sein. Nachdem wir aber verständlicherweise kein so umfassendes Recht zur Mitsprache haben, stellt sich für mich diese "Verantwortung" als ein kaschiertes Schuldverhältnis dar, das ich nicht akzeptieren kann. Ich erkenne darin den Versuch einer politischen Unterordnung, die mit der Einzigartigkeit der historischen Judenvernichtung begründet wird. Meinetwegen soll sie einzigartig sein. Nur ist jedes andere große Menschheitsverbrechen ebenso einzigartig. Indem ich das sage, will ich weder abwerten noch aufwerten. Ich will lediglich diesem untragbaren Schuldverhältnis widersprechen, um mich gegen eine politische Unterordnung zu wehren.
Geändert von Haiduk (18.11.2012 um 11:21 Uhr)
Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich,
sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.
Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes,
und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus.
(2. Kor. 10, 4-5)
Off topic:
Hier gibt es einen sowjetischen Film, der mich sehr beweget hat. Er stammt aus der Glasnost-Zeit und vermittelt einen Eindruck von der Widersprüchlichkeit der russischen und in gewisser Weise auch der deutschen Geschichte.
Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich,
sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.
Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes,
und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus.
(2. Kor. 10, 4-5)
Aus einem Interview mit Susanne Hirzel, Mitglied der Weißen Rose:
Nach ihrer Darstellung als Zeitzeugin wurde um die Entrechtung der Juden damals kein großes Aufhebens gemacht. Sie findet es falsch, daß Auschwitz heute im Mittelpunkt der Geschichtsbetrachtung steht. Jugendliche und auch Ältere haben statt einer realistischen Vorstellung nur ideologische Zerrbilder über diese Zeit im Kopf. Der öffentliche Druck seit dem "Aufstand der Anständigen" ist so enorm, daß wir heute keine echte Meinungs- und Pressefreiheit haben.Zeller: Die Hetze gegen die Juden etwa wird völlig übertrieben dargestellt. In Wirklichkeit lief die Entrechtung der Juden quasi „leise nebenher“ ab. Heute wird Auschwitz ganz und gar in den Mittelpunkt gestellt. Das, was etwa unsere Soldaten erlitten und geleistet haben, wird dagegen unter den Teppich gekehrt. Auschwitz ist das, was von dieser Zeit in Erinnerung bleiben wird, so kann man mit dem deutschen Volk nicht umgehen. Man sollte dagegen lieber Ursprung und Wirkung der Diktatur untersuchen, sich mit den Konflikten der Menschen damals beschäftigen.
Die Geschichte wird heute also ideologisch und nicht historisch dargestellt?
Zeller: So ist es leider. Dabei glaube ich nicht, daß die Zeitungsmacher bewußt fälschen, die wissen es auch schon nicht mehr besser. Neulich sprach ich mit einem Mann mit Zopf, modern und tolerant, der zu mir sagte: „Hätte ich damals gelebt, ich hätte kein Gewehr in die Hand genommen.“ Solch ein Unsinn, der nette Mann weiß gar nicht, was er redet. Er beurteilt die Vergangenheit von der Gegenwart aus. Derartiges erschreckt mich. Deshalb habe ich mein Buch geschrieben, damit man die Zeit aus ihr selbst heraus verstehen kann. Andernfalls ist man blind gegenüber ähnlichen Versuchungen heute.
Warum wird diese Zeit, die dunkel genug gewesen ist, heute noch zusätzlich künstlich verfinstert?
Zeller: Das ist mir selbst ein Rätsel! Warum wird etwa die Wehrmachtsaustellung so begeistert aufgenommen?
Wurden Sie wegen Ihres Engagements für die Vergangenheit auch angegriffen?
Zeller: Menschen, die dreißig Jahre jünger sind als ich, sagen über mich, ich würde verdrängen. Da bin ich sprachlos. Obwohl sie noch nicht gelebt haben, wissen sie alle besser, wie es damals war. Aber so sind die Menschen.
Wenn die Analyse der damaligen Zeit nicht stimmt, dann stimmen auch all die daraus abgeleiteten, politisch korrekten Verhaltensweisen nicht.
Zeller: Die stimmen auch nicht, und weil sich die Menschen nie wirklich mit der damaligen Zeit beschäftigt haben, verfallen sie wieder in die gleichen Fehler. Auch heute haben wir keine echte Meinungs- und Pressefreiheit. Natürlich garantiert unser Staat die klassische Pressefreiheit, aber der öffentliche Druck ist oft so groß, daß man sich nicht mehr frei äußern kann. Zum Beispiel durch den bereits erwähnten „Aufstand der Anständigen“, der mich an die Massenveranstaltungen der Nazis erinnert hat.
Ein schwerer Vorwurf.
Zeller: In den letzten Jahren war ich gut mit einem Juden aus der Nachbarschaft, Dr. Hans Weil, bekannt. Er hat am Ende des Krieges unter de Gaulle gegen Deutschland gekämpft. Nach dem Krieg war er Oberlandesgerichtspräsident. Als Jude konnte er in der Bundesrepublik immer seine Meinung sagen. Doch einmal schrieb er an die Stuttgarter Zeitung, mit den Mitgliedern der Partei „Die Republikaner“ werde heute so umgegangen wie 1936 mit den Juden. Der Brief wurde nicht gedruckt, statt dessen erhielt er zur Antwort, die Republikaner würden doch heute wohl nicht umgebracht werden. Dabei bezog er sich auf das Jahr 1936, aber weder wurde der Brief richtig gelesen, noch verstanden, weil man überhaupt nicht weiß, wie es im Dritten Reich war, sondern nur ideologische Vorstellungen hat, und wer an diesen ideologischen Vorstellungen zweifelt, macht sich - wie damals - verdächtig.
Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich,
sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.
Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes,
und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus.
(2. Kor. 10, 4-5)
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